(Neubau 1965 nach dem Brand von 1964)

Die Geschichte des Blauen Saals

Unser Blauer Saal ist ein ganz besonderer Raum. Wir haben hier so manche "Schlacht" geschlagen und tun dies noch heute. Die Jüngeren können dies, weil sie es nicht erlebt haben, nicht nachvollziehen. Wir wollen deshalb ein bißchen über den Blauen Saal und seine Geschichte erzählen.
Mittlerweile hat die "neue Generation" den Blauen Saal gut angenommen und nutzt ihn, so gut es geht.


Überliefert ist, daß die Prager Fußballer an dieser Stelle das WM-Endspiel 1954 Deutschland gegen Ungarn ansahen. Willy Knörzer (1909-1960) hatte aus seinem Laden einen Fernseher (!) aufgebaut. Davon gab es in Deutschland zu dieser Zeit gerade mal 7000 Stück! Allerdings war das noch nicht im Blauen Saal, denn wie bekannt ist, brannte der Kabinentrakt im Mai 1964 ab. Der Raum dürfte auch damals schon für Mannschaftssitzungen benutzt worden sein. Lothar Köhler öffnete in den Achtzigern und Anfang der neunziger Jahre in der Sommerpause immer seinen "Pup" und an der Weihnachtsfeier fand dort die "Sektbar" ihren Platz. In den Phasen dazwischen sah dieser Raum mehr wie eine Müllhalde oder große Gerümpelkammer aus.
Durch eine improvisierte Jahresabschlußfeier der Fußballer, erlebte der Blaue Saal am 15. Dezember 1990 seine Renaissance.


Die Anfänge

Als wir noch Jugendspieler waren, nahmen wir diese Tür mit dem Glasfenster am Ende des Kabinenganges wohl wahr, jedoch machte sich keiner von uns Gedanken, was sich wohl Geheimnissvolles dahinter verbergen würde. Die Tür war immer verschlossen und es brannte dort nie Licht. Als B-Jugendspieler hatten wir dort aber mal 1981 eine kleine Herbstmeisterfeier (12 Spiele, 12 Siege).

Die
Prager B-Jugend im


Der Saal als Sektbar bei der Weihnachtsfeier 1984

1984 wurden wir aktiv und bekamen so endlich auch mit, was der alljährliche "grüne Gang" vom Vereinsheim in Richtung Umkleidebaracke zu bedeuten hatte. Es war der Schlauch in die Sektbar, also zum Blauen Saal. Es war damals nicht abzusehen, welche "Schlachten" wir in der Zukunft dort noch zu schlagen haben würden.


Doch zunächst tat sich in diesem Raum weiter nicht´s. So langsam spekulierte man darüber, warum denn diese Rumpelkammer Blauer Saal hieß. Weil die Wand so blau war ? Oder wegen dem runden Schlüsselanhänger mit Aufschrift "Saal" ? Oder weil man sich dort betrinken mußte ? Fragen über Fragen. Durch den Pächterwechsel (Monteanu->Horstmann) erlebte der Blaue Saal am 15. Dezember 1990 seine Renaissance. Die Aktiven führten eine improvisierte Weihnachtsfeier durch, da sich das Vereinsheim noch in Umbauarbeiten befand. Daraus entwickelte sich später für 18 Jahre (!) die TOP66P, welche dann, entgegen ersten Bestrebungen, von 1991 an im Vereinsheim durchgeführt wurde. Und das war gut so.


Mit den Silvesterparties fing alles an

In der Folgezeit wurde der Raum immer öfters in Benutzung genommen. Zunächst waren es die Silvesterpartys (1993 - 1998), später diverse Geburtstagssessions. So konnte nach und nach der gesamte Müll entsorgt werden. Man fragte nicht großartig nach, wem das alte Gerümpel gehört, man warf es auf den Müll. Unvergessen der Kampf von Uli um einen alten Wäschekorb.

Der Saal als Lagerraum der TOP66P 1992

Als dann plötzlich ein Kühlschrank im Blauen Saal stand (wie rechts zu sehen ist), war der weitere Weg praktisch vorgezeichnet. Die lange Theke (damals auf der Straßenseite) sollte nicht mehr nur als reiner Staubfänger dienen.

kurz vor der ersten Silvestersause 1993


KFT-Umkleide und "die Studios"

Ab Anfang der neunziger Jahre wurde der Saal am Vatertag zusätzlich als Umkleidekabine des Kleinfeldturnieres genutzt. Decke und Boden schimmelten munter vor sich hin und die Festivitäten nach den Turnieren mit Ausschlachten der Freßkörbe glichen schon beinahe einem Rittermahl. 1994 fand erstmals ein "Fußball-Studio" statt. Dies hatte zur Folge, daß es nun auch einen TV gab, den uns Harald Horstmann (Vereinswirt von 1991- Sommer 2003) gespendet hatte. Diese WM in den U.S.A. brachte uns den Blauen Saal noch ein Stückchen näher. Heute gilt für viele Prager: Eine WM oder EM ohne Blauen Saal ist kein gescheites Turnier. Und im Vorfeld verschiedener TOP66P´s mauserte sich der Saal auch noch zum "Musikstudio". WO.SA.WO produzierte hier ebenso, wie Gassi & Der Dilettant, Pre.SA., HE.FE.SE. oder die Lässigheimer. Celly Cax, Take Mareike und Andy Guitar probten im Blauen Saal, das St. Georg-Zeltlagerteam nahm eine MC auf. Die TOP66P-Crew drehte dort sogar einen Musikvideo (Udo Lindenberg, "Panikpanther") gegen Rassismus.


Umkleidekabine für das Kleinfeldturnier

erstes WM-Studio 1994

und wieder als Lagerraum (TOP66P 1994)


"Das Loch"

Ein entscheidender Tag für die weitere Entwicklung des Blauen Saals war der 1.1.1994. Während der Silvester-Sause brach der Boden in der Saalmitte durch ! Von Renovierung des Bodens war schon zehn Jahre zuvor die Rede gewesen. Jetzt ließ es sich nicht mehr vermeiden. Zunächst wurden die Löcher provisorisch mit einer alten Schrankwand, später semiprofessionell durch eine Spanplatte abgedeckt.

Silvester 94/95. Die Theke ist bereits zur Hälfte abgebrochen

KFT 1995 ganz ohne Theke; Mitte links ist das Bodenprovisiorium der Löcher vom 1.1.94 zu erkennen.


1994 wurden auf Initiative von Alfred Wuttke die beiden Prag-Kabinen vergrößert, sodaß die Fläche des Blauen Saals zwar kleiner wurde, aber nach der Renovierung 1995 (durch den Einbau einer kleineren Theke), schlug dieser Platzverlust nicht sonderlich in´s Gewicht.


1995: Umbau zum "Jugendraum"

Ziemlich genau 18 Monate nach dem Durchbruch des Bodens erlebte der Blaue Saal, der daraufhin für einige Zeit offiziell in "Jugendraum" umgetauft wurde, also seine erste Renovierung unter Bauleiter Lothar Schubert. Es machte allen sehr viel Spaß und am Ende erstrahlte der Raum in neuem Glanz. Die folgenden Bilder können einen kleinen Eindruck darüber abliefern. Türen, Fenster und die Wände wurden neu gestrichen, die Wandseite zu den Umkleidekabinen holzverkleidet, vor allem aber der Boden komplett saniert. Für kommende Festivitäten organisierte das Silvesterteam im Dezember 1995 sogar eine maßgeschneiderte Bodenabdeckung, die sich bis zur letzten Silvestersession (31.12.98) sehr bewährt hatte.



Alle am Umbau beteiligten, weihten in einer kleinen Feier den "Jugendraum" im September 1995 ein. 1996 kam ein neuer Kühlschrank sowie ein von Uwe Brummer gesponserter größerer TV hinzu. Dann wurde noch eine Musikanlage mit Boxen installiert. Das geplante Spülbecken (Ausbaustufe II wie man damals sagte) wurde wieder verworfen. Außerdem wurden so und nach und nach verschiedene Bilder in Rahmen an die Wand genagelt. In den kommenden fünf Jahren tat sich dann umbaumässig nicht mehr viel. Es kamen die EM- und WM-Studios 1996, 1998, 2000. Am 31.12.98 feierte man letztmals eine Silvestersession und jedes Jahr zum Kleinfeldturnier das "Körbe schlachten". Wobei sich das Niveau der Räumlichkeit angepaßt hat.


EM-Studio 1996

WM-Studio 1998

Der Saal als Bühnenvorlage der TOP66P 1998


Ausbaustufe II

Eine von Lothar Schubert schon 1996 gehegte Idee wurde im Sommer 2000 umgesetzt. Auch die Wand zur Straßen- bzw. Parkplatzseite sollte mit Holz verkleidet werden. Außerdem kam im Rahmen der TOP66P 1999 ein Videorekorder, sowie zur WM 2000 ein neuer TV hinzu. Die 1995 eingebauten nüchternen Neonleuchten wurden durch moderne Halogenleuchten ersetzt. Wenn man heute die richtige Beleuchtung wählt, wird es im Raum richtig schnuckelig gemütlich. Oliver Krecek steuerte außerdem drei noble Thekenhocker bei, die dann aber irgendwann wieder verschwunden waren. Hier Impressionen des Ausbaus vom Sommer 2000:


2000 bis 2006

Ausbau 2000

In dieser Zeit wurde der Jugendraum/Blaue Saal mehr und mehr der Regentschaft von Walter Rapp unterzogen. Walter sorgte für Ordnung, aber auch für einen nicht sehr dekorativen grauen Teppich. Zitat: "Isch halt einfacher zum reinigen!". Nach wie vor wird der Saal als KFT-Umkleide, für die EM- und WM-Studios, Mannschaftsbesprechungen und kleinere Geburtstagsfeiern oder ganz selten auch für Polterabende genutzt. Ende 2005 erneuerte Lotus die fest installierten Boxen. Zudem wurden ein neuer Verstärker (2005) und ein DVD-Player (2004) - hauptsächlich für das Kleinfeldturnier - gekauft.


4. Prager WM-Studio 2006 (WM in Deutschland)

Mal ganz abgesehen davon, daß die Fußball-WM 2006 in Deutschland ganz allgemein der absolute Oberhammer war: Unser Blauer Saal war in diesen vier Wochen Heimat, Diskussionsforum, Freuden- und Trauertempel zugleich. Ende September wurde zudem ein neuer, aber etwas kleiner, Kühlschrank hinter der Theke installiert.


Sommer 2007: Kunstrasenbau

Obiges Foto zeigt den Blauen Saal im August 2007 während der Bauarbeiten des Kunstrasens. Ruhige Zeiten also für den Raum. Zu sehen ist auch der neue Kühlschrank. Links das Meisterfoto unserer Aufsteiger.

November 2007: Neuer Boden verlegt

Im November 2007 wurde im Rahmen der Einweihung des neuen Kunstrasens ein neuer Boden im Blauen Saal verlegt und die Wände gereinigt. Da der Umkleidetrakt einen neuen weißen Anstrich bekam, lackierte man die Fensterläden in kräftiges Lila um.

Juni 2008: Jetzt mit Leinwand, Beamer und über 240 Programmen

Im Mai 2008 gab es die Hochzeit "Schüssel <-> Blauer Saal" und rechtzeitig zur Eröffnung des 4. Prager EM-Studios trafen eine große Leinwand und der obligatorische Beamer im ein. Der Gast kann nun aus über 240 - zumeist völlig überflüssigen - Programmen wählen. In diesem Juni 2008 war der Blaue Saal nun schon zum achten Male Heimat eines unserer großen Fußball-Studios.

Neuer Kühlschrank

Die neue Kühlschrankgeneration ist da. Durch die strikte Trennung der Getränkelager von Aktiven und der "jAH" wurde ein neuer großer Kühlschrank mit durchsichtiger Front hinter der Theke installiert. Die Getränkeauswahl ist wohl sortiert. Zudem erhielten die Thekenhocker einen dekorativen schwarzen Kunstlederbezug.


Dezember 2008: Wie immer Lagerraum für die TOP66P

Kabelchaos im Blauen Saal. Der Raum diente, wie immer, im Dezember 2008 als Lagerraum des TOOP66P-Equipments. Der Abbau erfolgte bei dieser Veranstaltung in Folge von zu wenig Abbauhelfern chaotisch. Dementsprechend sah es dann auch im Saal aus.

Die Jungen haben den Saal angenommen

Die "neue Generation", die nun zum Glück gar nicht mehr so neu ist, hat den Blauen Saal spätestens seit 2009 als zentralen Versammlungsort angenommen. Unter anderem wird dort auch regelmässig "Pay-TV" (natürlich Fußball) geschaut. Ordnung wird auch gehalten, die Tische wurden mit Folie und dem SV-Prag-Emblem frisch überzogen. Vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 ging der Saal und "Gäste 2" wieder für vier Wochen in die Hände der beiden WM-Studioleiter Jörg und Ingo über.

2012

2012 hatten wir als positiven Höhepunkt unser 5. Prager EM-Studio im Blauen Saal. Hier wurde die Beamer-Leinwand (von 2008) erneuert. Ansonsten hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre nichts verändert. Mit der Ausnahme, daß die Decke im Schrankbereich wieder den alten "Wasserschaden" hat und die "Verkabelung" der Beameranlage doch etwas sonderbar ist (Gaffaband trägt Kabel, muß aber durch Reiszwecken an der Decke gehalten werden). Gibt es beim SVP keinen Elektriker mehr?
Negativer Höhepunkt des Jahres 2012 war, daß wir erstmals einen Einbruch zu verzeichnen hatten: Im Februar wurde eine Scheibe eingeschlagen und Jacken sowie eine Kasse mit ca. 130 Euronen gestohlen. Kurze Zeit später folgte gar ein weiterer Einbruch.


2014 endlich wieder der Pokal im Saal!

In den kommenden zwei Jahren gab es keine besonderen Änderungen am und im Saal was Renovierungen oder Nutzung anbelangte. Der Beamer von 2008 wurde in dieser Zeit durch einen neuen ersetzt und die Verkabelung einigermassen ordentlich durchgeführt. Zum 6. Prager WM-Studio wurde der Saal (sowie auch die Sektbar) auf Hochglanz poliert. So sauber war es in dieser Location seit 10 Jahren nicht mehr. Am Ende konnte am 13. Juli 2014 endlich wieder eine Weltmeisterschaft gefeiert und der 4. Stern in Empfang genommen werden. Kurz darauf kaufte sich die "jAH" einen neuen Kühlschrank.


2018: Die letzten Jahre und Abschied vom "Blauen Saal"

Mehr als ein halbes Menschenleben wird der "Blaue Saal" am Ende erreicht haben: ca. 53 Jahre. 2016 gab es noch einmal das Prager EM-Studio (Nummer 6) und mit dem 7. Prager WM-Studio 2018 wurde die letzte Aktion im "Blauen Saal" eingeläutet. Im Anschluß erfolgte der Abriß des gesamten Kabinentraktes zu Gunsten eines zweigeschössigen Neubaus.



(2018: Lebwohl Blauer Saal!)